1958
1958
„Eine transparente Idee für ein transparentes Deutschland?“
Leben in Deutschland – Der Beitrag zur Weltausstellung Brüssel
Im Frühjahr 1954 erging an die Bundesregierung die Einladung zur Teilnahme an der Weltausstellung 1958 in Brüssel. Dem Deutschen Werkbund gelang es, sich in die Konzeptionierung einzuschalten. Ende November 1955 wurden mit Mia Seeger und dem Werkbundvorsitzenden Hans Schwippert zwei zentrale Werkbundmitglieder offiziell in den Beirat des Generalkommissars für die deutsche Ausstellungsbeteiligung berufen. Da mit Sep Ruf und Egon Eiermann zwei weitere wichtige Werkbundangehörige mit der architektonischen Gestaltung betraut worden waren, besaßen die Werkbundkräfte einen erheblichen Anteil an den einsetzenden Planungen. So konnte sich ein im Februar 1956 von Hans Schwippert erarbeitetes Detailkonzept durchsetzen, das vorsah, Leben in Deutschland in den neun Abteilungen Landwirtschaft, Handwerk, Industrielle Arbeit, Stadt und Wohnung, Persönlicher Bedarf. Soziale Aufgaben, Freie Zeit, Heilen und Helfen sowie Erziehung und Bildung zu veranschaulichen. Die gestalterische und inhaltliche Arbeit für die einzelnen Ausstellungsaktionen oblag fast ausschließlich Werkbundmitgliedern. Dem angestrebten bescheidenen und zurückhaltenden Auftreten der Bundesrepublik im Ausland entsprach die schlichte und funktionsgerechte Gestaltung- ein Kernpunkt der Werkbundidee. Auch die Architektur des Deutschen Pavillons sollte mit schwebend leichten, transparenten Formen demonstrieren, dass sich die bundesdeutsche Gesellschaft in die demokratische Entwicklung der wesentlichen Welt eingefügt hatte. Bewusst setzte sich die Bundesrepublik Deutschland bei ihrem ersten Auftritt dieser Art im Ausland von der durch Monumentalität, Symmetrie und Natursteinfassaden geprägten NS-Architektur ab.
Bezug zu Richard-Riemerschmid:
Der von Egon Eiermann entworfene deutsche Glaspavillon auf der Weltausstellung in Brüssel ist ein Schaukasten des neudeutschen Designfrühlings. Knapp drei Jahrzehnte nach Barcelona ist der sachliche Minimalismus wieder staatstragender Stil. Auch Riemerschmid schuf Stahlbeton- und Glasbauten. In Zusammenarbeit mit den besten Glasmachern schuf er Glasobjekte erlesenster Qualität. Seine Werkstätten in Hellerau baut er in lange, extrem schmale lichtdurchflutete Gebäude, damit jeder Arbeiter bei Tageslicht arbeiten kann.