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1945 - 1959

1945-1959
„Ist ein gut gedeckter Tisch die Lösung einer neu gewonnenen Freiheit?“

Der Deutsche Werkbund im Wiederaufbau

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs fanden sich in verschiedenen Städten bald wieder Werkbundmitglieder zusammen, organisierten sich und engagierten sich im Wiederaufbau. Die Gruppen trafen sich 1947 in Rheydt und riefen auf, eine „neue Welt“ aufzubauen. Bereits 1949 konnte eine große Werkbundausstellung in Köln organisiert werden, die Maßgaben und Maßstäbe für den Wiederaufbau und künftige Wohnformen liefern sollte. Hier wurde als Beitrag des Schweizerischen Werkbunds die von Max Bill zusammengestellte Schau „Die gute Form“ gezeigt, die den Leitbegriff für die nächsten beiden Jahrzehnte lieferte und demonstrierte, dass die Formgebung industrieller Produkte inzwischen international derartig entwickelt war, dass es nicht mehr auf eigene neue Entwicklungen, sondern auf die entsprechende Auswahl aus einer breiten Produktionspalette ankam.
Da der 1950 offiziell neu gegründete Deutsche Werkbund e. V. föderalistisch strukturiert war, zielte seine erste größere Aktivität auf die Etablierung eines übergeordneten, politisch und finanziell abgesicherten Rats für Formgebung, der 1952 vom Bundestag beschlossen wurde und seitdem als staatlich anerkannte Beratungs- und Bewertungsstelle für Industrieprodukte fungiert. Der Werkbund verlor damit allerdings einiges von seiner früheren Bedeutung, denn nun wirkte er weniger selbst als durch eine andere Institution, die seine Ideen vertreten sollte. Trotzdem entfalteten der Deutsche Werkbund und seine Landesverbände in den fünfziger Jahren vielfache Aktivitäten, sie organisierten die deutschen Abteilungen für die Triennalen in Mailand, bestückten Musterwohnungen auf der Internationalen Bauausstellung in Berlin 1957, entwickelten das Konzept für den deutschen Beitrag auf der Weltausstellung 1958 in Brüssel und verschickten „Werkbundkisten“ mit Anschauungsobjekten „guter Form“ an Schulen zur Erziehung und Geschmacksbildung.

Bezug zu Richard-Riemerschmid:
Richard Riemerschmid starb am 13.April 1957 in München.
Er selbst wurde 1913 zum Direktor der Kunstgewerbeschule München ernannt und 1926 zum Leiter der Kölner Werkschulen, wo er bis 1931 eine Lehrstelle bekleidete.

Da der 1950 offiziell neu gegründete Deutsche Werkbund e.V. föderalistisch strukturiert war, zielte seine erste größere Aktivität auf die Etablierung eines übergeordneten, politisch und finanziell abgesicherten Rats für Formgebung, der 1952 vom Bundestag beschlossen wurde und seitdem als staatlich anerkannte Beratungs- und Bewertungsstelle für Industrieprodukte fungiert. Der Werkbund verlor damit allerdings einiges von seiner früheren Bedeutung, denn nun wirkte er weniger selbst als durch eine andere Institution, die seine Ideen vertreten sollte.

Trotzdem entfalteten der Werkbund und seine Landesverbände in den fünfziger Jahren vielfache Aktivitäten, sie organisierten die deutschen Abteilungen für die Triennalen in Mailand, bestückten Musterwohnungen auf der Internationalen Bauausstellung in Berlin 1957, entwickelten das Konzept für den deutschen Beitrag auf der Weltausstellung 1958 in Brüssel und verschickten »Werkbundkisten« mit Musterbeispielen »guter Form« an Schulen zur Erziehung und Geschmacksbildung.
Werkbund-Jünger zogen mit Musterkoffern durch die Klassenzimmer, um auch dort für guten Geschmack zu werben. “Der gut gedeckte Tisch” war ein Thema, andere Musterkoffer zeigten den idealen Schreibtisch oder beschäftigten sich mit Glas oder Porzellan. Das waren skurrile Erziehungsversuche, doch die Koffer wurden im Dienst einer neu gewonnenen Freiheit gepackt. Auch wenn sich der Werkbund nach dem Zweiten Weltkrieg in beiden deutschen Staaten neu gründete, konnte er nicht mehr an seine große Zeit vor 1933 anknüpfen.