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1933 - 1945

1933-45
„Sind “Werkbundideen” unter Einfluss der nationalsozialistischen Ideologie umsetzbar?“

Werkbundideen im Nationalsozialismus

Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten 1933 versuchte eine Mehrheit im Vorstand des deutschen Werkbunds, die Vereinigung vor einer Auflösung dadurch zu retten, dass die Leitung einigen Parteimitgliedern übergeben und die Satzung nach nationalsozialistischen Vorstellungen umgeschrieben wurde. Der „gleichgestaltete“ Werkbund wurde zunächst dem Kampfbund für deutsche Kultur, dann der Reichskulturkammer eingegliedert. Entgegen späteren Legenden und Schönfärberein blieb die Institution aber noch bis 1938 mit einem eigenen Vorsitzenden bestehen, es konnten auch noch einige Ausstellungen und Publikationen realisiert werden, allerdings waren alle Aktivitäten der NS-Ideologie angepasst. So mutierte beispielsweise die vom Werkbund seit 1925 vorbereitete internationale Schau „Die Neue Zeit“ zur Reichsaustellung „Schaffendes Volk“ in Düsseldorf 1937. Zwar wurden nun handwerkliche Formgebung und traditionelle Materialien verstärkt gepflegt, aber entsprechend der Indienstnahme von Technik und rationeller Produktion für die Zwecke der Nationalsozialisten fanden funktionale Werkbundprodukte, die zum Teil bereits 1933 entwickelt worden waren, im Bereich der Ausstattung von Schulen, Gefolgschaftshäusern oder Werkskantinen großen Absatz. Geschirr von Hermann Gretsch oder Trinkgläser von Wilhelm Wagenfeld wurden erst jetzt zur Massenware. Im Amt „Schönheit der Arbeit“ der Deutschen Arbeitsfront lebte die Werkbundgestaltung in Form adaptierter Produkte als „gute deutsche Form“ im Dienst des Nationalsozialismus weiter. 1938 wurde der Deutsche Werkbund aufgelöst, aber die personellen und gestalterischen Kontinuitäten reichen von der Weimarer Republik über die NS-Zeit bis zur Bundesrepublik.

Wir wollen nicht verkennen und wollen auch ehrlich einsehen, dass der Weg zur Weißenhofsiedlung in Stuttgart, der Weg zur Dammerstock-Siedlung, zur „WuWa“ kurzum der Weg zum Modernismus, ein Irrtum des Werkbunds war.
Winfried Wendland, Der Deutsche Werkbund im neuen Reich, 1937

Der Zweck des Bundes ist die Schaffung und Pflege einer deutschen Werkgesinnung im Sinne der deutschen Kulturüberlieferung auf allen Gebieten der Gestaltung im Zusammenwirken mit allen auf diesem Gebiet Tätigen durch Erziehung und Werbung in der deutschen Öffentlichkeit.
Neue Werkbund-Satzung, Herbst 1933

Bezug zu Richard-Riemerschmid:
Von den Nationalsozialisten in die innere Emigration gezwungen, kehrte Richard Riemerschmid in den 30er Jahren nach München zurück, wo er sich vor allem der Malerei und Kunst widmete.