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1933 - 1945

1933-1945
„Kann Form erzwungen werden?“

Indienstnahme von Werkbundgestaltung – Amt „Schönheit der Arbeit“

Anfang des Jahres 1935 erschien die letzte Ausgabe der Werkbundzeitschrift „Die Form“ als Sonderheft zum Thema „Schönheit der Arbeit“. Der Titel verweist auf das von Albert Speer geleitete Amt „Schönheit der Arbeit“, das sich als eine Abteilung der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“, einer Gründung der Deutschen Arbeitsfront, die für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen zuständig war. Dies zeigt zum einen, dass der Werkbund mittlerweile in die national-sozialistische Bewegung eingereiht war, zum anderen, das sich eine NS-Organisation mit dem Namen „Werkbund“ identifizieren konnte.
Beweichenderweise finden sich in den Publikationen des Amtes „Schönheit der Arbeit“ neben Gefolgschaftshäusern im Heimatstil auch modern wirkende Fabrikgebäude, deren Innenräume besonders deutlich die Indienstnahme von Werkbundgedanken belegen. Die Produktionsstätten präsentieren sich wie funktionale Laboratorien, Kantinen und Aufenthaltsräume sind mit Mustergegenständen ausgestattet, die das Amt „Schönheit der Arbeit“ hatte entwerfen lassen. Diese massenhaft hergestellten und bis in den Alltag der Bevölkerung vermittelten Produkte, mit denen auch Parteibauten wie NS-Ordensburgen bestückt wurden , waren fast durchweg in schlichten, zweckmäßigen und ornamentlosen Formen gehalten, wie sie der Werkbund schon lange propagierte. Kantinengeschirr Heinrich Löffelhardts oder Glasobjekte Bruno Mauders aus der NS-Zeit reihen sich nahtlos in die Kette werkbundgerechter Gestaltungen von der Weimarer Republik bis in die Nachkriegszeit ein. Auch die von Hans Stolper und Karl Nothhelfer entwickelten Möbelmodelle weisen in ihrer einfachen, funktionsgerechten Gestaltung bis ans Plagiat reichende Anleihen beispielsweise an Entwürfe an Adolf Schneck auf. Über das Amt „Schönheit der Arbeit“ überdauerten somit, vom NS-Regime selbst propagiert, vor aller Augen gestalterische Elemente der Werkbunds.