1929 - 1931
1929- 1931
„Wie kann mobiles Wohnen in einer mobilen Gesellschaft aussehen?“
Wohnen in der neuen Zeit- Modelle für mobile Gesellschaft
Bereits im Zusammenhang der Werkbundausstellung in Stuttgart 1927 wurde aus der zunehmenden Mobilität der Gesellschaft die Folgerung abgeleitet, das Wohnen werde in der Zukunft dem Leben in einem Hotel entsprechen, mit kleinen Wohnräumen, aber großen Gemeinschafts- und Serviceeinrichtungen. Diese Vorstellung von Wohnen und Leben bestimmt viele Diskussionen und Manifestationen des Werkbunds in den folgenden Jahren. Im Zentrum der Werkbundsiedlung in Breslau stand 1929 programmatisch das Wohnheim Hans Scharouns, in dem minimierte Wohnungen mit Kochnischen für Junggesellen oder Ehepaare mit einem Restaurant und Gemeinschaftsbereichen in einer Art Mischung zwischen Hotel und Mietshaus kombiniert waren. Mit Blick nach Amerika wurde das Boardinghaus zur Wohnform der Zukunft erklärt. Die Familie werde immer kleiner, der Mensch immer mobiler, und deshalb genügten relativ kleine, neutrale Wohn-Schlafräume, in die man mit ein paar Koffern schnell ein- und ebenso schnell wieder ausziehen könne. Was in den Wohnungen fehle, würde wie beim Leben im Hotel oder bei einer Schifffahrt durch Gemeinschaftsräume und Serviceeinrichtungen kompensiert. Als dem Werkbund die Planung des deutschen Beitrags auf der Kunstgewerbeausstellung 1930 in Paris übertragen wurde, präsentierte Walter Gropius einen Gesellschaftsraum mit Bar, Tanzfläche, Lese- Spiel- und Musiknischen, Bibliothek, Nachrichtenwand sowie einem Turnbereich und bot damit einen viel bewunderten Blick in die Wohnwelt der Zukunft. Auf der Deutschen Bauausstellung 1931 in Berlin richteten Werkbundmitglieder Musterapartments, Gesellschafts- und Sporträume in einem Boardinghaus ein, das im Erdgeschoss ein großzügiges Restaurant für alle Hotelgäste besaß. Mit den Folgen der Weltwirtschaftskrise lösten sich diese Ideen neuer Wohnformen für mobile, sportliche und internationale Menschen von selbst auf.
Bezug zu Richard-Riemerschmid: Weil der Enthusiasmus für das „echte“, für das „unverschüttete“, das „tiefere“ Leben, einem wunderlichen Gemisch zugleich aus sozialpolitischen, wirtschaftlichen und völkischen Äußerungen und leidenschaftlichen Utopien entsprang, wuchs das Werkbunder Anliegen sogar zu einer „europäischen Sache“ heran.Richard Riemerschmid vereint die Bedürfnisse der Bürger mit alltäglichen Notwendigkeiten.
„Nicht die Kunst schafft den Stil – das Leben schafft ihn. Er wird nicht gemacht – er wächst“
Das Mobiliar muss sich für die Funktionalität des Raumes eignen und gleichzeitig eine angemessene Atmosphäre schaffen, sowie für jeden Bürger erschwinglich sein.
1660 mobile Gebrauchsgegenstände kamen zusammen, mit denen sich die Herren und Damen „Kunstprofessoren“ als die besten Repräsentanten des spätwilhelminischen Deutschlands bewiesen. Sie erkannten sich nicht wieder dem einstigen Bombast, dem historisierenden Plunder und auch nicht in dem narzisstisch gesinnten Edelgut.