1907 - 1918
1907 – 1918
„Deutscher Werkbund – eine pädagogische Mission zur Veredelung?“
Im Oktober schlossen sich zwölf Firmen in München zum Deutschen Werkbund zusammen.
Zweck des Bundes war „die Veredelung der gewerblichen Arbeit im Zusammenwirken von Kunst, Industrie und Handwerk, durch Erziehung, Propaganda und geschlossene Stellungnahme zu allen einschlägigen Fragen“.
Die Arbeit des Deutschen Werkbunds ist von der Zielsetzung bestimmt, die gesamte industrialisierte Lebenswelt nach künstlerischen Gesichtspunkten zu gestalten und mit diesen „gut“ geformten Objekten die Bevölkerung zu „erziehen“.
Durch das Zusammenwirken mit Unternehmen, die nicht nur ihre Produkte, sondern erstmals auch ihr gesamtes Erscheinungsbild von Künstlern nach Werkbundgrundsätzen gestalten ließen, erlangte die Bewegung vor dem Ersten Weltkrieg enorme Bedeutung und Nachfolge.
Die „Veredelung“ von Industrieprodukten war mit materiellen und häufig auch nationalen Interessen verbunden, denn es ging darum, durch „Kunst“ und „Qualitätsarbeit“ den deutschen Waren auf dem Weltmarkt einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen.
Das Bestreben des Werkbunds, als „Volkserzieher“ zu wirken, wurde durch die Propagierung vorbildlicher „Muster“ in Publikationen und Verkaufskatalogen wie dem „Deutschen Warenbuch“ oder über das Deutsche Museum für Kunst in Handel und Gewerbe kontinuierlich intensiviert.
1914 präsentierte der Deutsche Werkbund seine Leistungen in einer großen Ausstellung in Köln. Auf der begleitenden Tagung kam es zu einem heftigen Streit zwischen den Befürwortern einer künstlerisch-individuellen Gestaltung von Produkten, die sich um Henry van de Velde scharten, und den Vertretern einer von Hermann Muthesius propagierten Typisierung als Entsprechung zu einer wirtschaftlichen Fertigung durch Maschinen.
Während des Krieges verstärkte sich das nationale Element, nun sollten „deutsche Form“ und Qualitätsarbeit mithelfen, den Sieg zu erringen.
Bezug zu Richard-Riemerschmid:
Wie das Ausstellungskapitel Deutscher Werkbund 1907 bis 1918 unterstreicht, war Richard Riemerschmid ein Motor für die Entwicklung der Veredlung von maschinell produzierten Möbeln in Hellerau. Zu sehen ist unter anderem Riemerschmids Entwurfszeichnung des Marktplatzes in Hellerau. Was die aufkeimende Werkbundbewegung, zu der Riemerschmid beigetragen hat, vom verspielten Jugendstil unterschied, war das Bekenntnis zum technischen Fortschritt und zum Maschinenzeitalter. So verwundert es nicht, dass Riemerschmid nachhaltig die Produktion von Maschinenmöbeln im Modulsystem propagierte. Sein Küchenstuhl von 1905 ist ein gutes Beispiel für das Konzept der maschinell gefertigten Möbel in Serienproduktion. Mit der Hinwendung zur maschinellen Produktion von Gebrauchsgegenständen des Alltags war auch der Weg für einfache funktionelle Formen geebnet. Der ausgestellte Schreibtisch aus einem Herrenzimmer (1904-1906) unterstreicht dies mit seinen klaren Linien nachhaltig. Lediglich die „Fingerscharniere“ der beiden Türen lassen sich als ornamental begreifen.